Elke Post (l.) und Petra Labitzke vor dem Bild „Wandernde Seerosen“ - Foto: Florette Hill

Schon lacht der helle Frühling

Figaros Hochzeit, vierter Akt. Susanna steht – je nach Laune des Regisseurs – auf einem Balkon, einer Terrasse oder mitten im Garten. Nach langem, bangem Erwarten auf ihren Angebeteten, eben Figaro, steigert sich dieses immer stärker werdende Verlangen in einer der bekanntesten, beliebtesten und bewundertsten Arien der Opernliteratur. „Endlich nahet diese Stunde“, so der deutsche Titel dieser schmachtenden und fordernden sogenannten Rosenarie. Diese Stunde, die Figaro und Susanna zusammenbringen wird. („Giunse alfin il momento“ – „Deh vieni non tardar, oh gioia bella“)

Wolfgang Amadeus Mozart ist unbestritten einer der bedeutendsten Komponisten, die dieser Planet hervorgebracht hat. Doch jetzt, lieber Leser, fragen Sie sich: Was hat das mit einer Ausstellungseröffnung im Kunstraum Bad Honnef zu tun? Ganz einfach: eine ganze Menge.

Heute Vormittag, Sonntag, 1. März, wurde ebendort eine neue Ausstellung eröffnet. Eine Ausstellung, in der Elke Post ihre Frühlingsgefühle und -empfindungen in Form von Fine-Art-Prints präsentierte. Der Freitag zuvor war der erste Tag, an dem Freude über den anhaltenden, wärmenden Sonnenschein und die sich darin erahnende, erwachende Natur aufkam. Und am Samstag ging es weiter – und nun am Sonntag: In der Nacht Frost, doch kaum hatten sich alle zeitig zum Besuch der Ausstellung eingefunden, herrschte eitel Freude in vollen, wärmenden Sonnenstrahlen.

Was lange erwartet wurde, kam endlich zu einem Anfang, brach sich zumindest im Bereich von Honnef die Bahn: die Frühlingsbilder, die unter dem Titel Ode an die Natur gezeigt werden. Eingeleitet wurde die Vernissage von der Arie der Susanna, gesungen von Petra Labitzke, die sich selbst am Klavier begleitete. Endlich nahte diese Stunde, eröffnet von Schuberts „Ode an die Musik“ und eben Mozarts Arie der Susanna. Diese Stunde, die Frühling und Kunst trefflich vereinte.

In einer kleinen, in der Ausstellung ausliegenden Broschüre mit dem Titel „Ode an die Natur“ stellt Elke Post eine Auswahl ihrer Werkreihen vor. Diese finden sich zum Teil auch in der Ausstellung wieder. So sieht man Bilder, die sich zusammenfassen lassen unter „Ode an den Frühling“, „Wandernde Blüten“, „Meer Wald“, „Blütenstücke“, „Big Flowers“ und „Kreisstudien“.

Blüten schwirren durch die Bildräume, lösen sich vom Boden – der letztlich die Grundlage unserer Existenz ist – und steigen in lichte Räume empor, entfalten dort einen Reigen und erinnern uns daran, dass ohne dieses gegenseitige Miteinander von Erde und Luft unser Leben nicht möglich wäre. Und das in einer bunten Vielfalt, die uns gerade den Frühling so stark erwarten lässt, ebenso wie in einem Rausch aus vielen Grüntönen von Blättern, Farnen und Blumen. Je länger man hinschaut, desto mehr entdeckt man und kann seine Gedanken kreisen lassen.

Wer anschließend nach Hause gegangen ist – in Erwartung des Anfangs eines neuen Jahresablaufs von Frühling, Sommer, Herbst und Winter –, wird sich sicherlich an diese Vernissage erinnern.

Was sollen Informationen über die Größe der ausgestellten Objekte, über den Zustand des Klaviers oder über die über jeden Zweifel erhabenen technischen Fertigkeiten der Malerin und Sängerin? Bilder muss man sehen, Musik hören. Gehen Sie hin, schauen Sie sich die Bilder an.

Resümee: Es lebe der Frühling – und freuen wir uns auf ein tolles neues Jahr mit Ausstellungen im Kunstraum.

Frau Post hat mich im Verlauf der Ausstellung gefragt, ob ich nicht eines der Bilder etwas mehr hervorheben könnte. Was ich erst nicht wollte, nun aber doch tue.

Es ist ein kleines Werk, ein kolorierter Fotoabzug, der wohl von so manchem Vernissagegast nicht bemerkt wurde, denn er hängt in einer Nische, abgewinkelt von einem großen Rosenbild. Während das Rosenbild wohl die erste Aufmerksamkeit des eintretenden Besuchers auf sich zieht, hängt daneben – in kongenialer Ergänzung zu diesem Blickfänger – dieses kleine Bild, nur wenige Zentimeter groß, großzügig von Passepartout und Rahmen eingefasst.

Es hat keinen Titel und zeigt einen verdorrenden Rosenstängel in einer Flasche, die sich als normale Mineralwasserflasche zu erkennen gibt. Der Rosenkopf ist nicht mehr vorhanden, und die Blätter befinden sich im fortgeschrittenen Stadium des Verdorrens. Dennoch strahlt der absterbende Zweig so etwas wie Würde aus, denn er streckt seine Blätter seinem Schattenbild an der Wand entgegen und scheint daraus seine Existenzberechtigung und sogar seine Freude zu ziehen – so wie einst Dorian Gray aus seinem Spiegelbild.

Und ob ein verdorrender Rosenzweig in eine Ausstellung passt, die eine Ode an die Natur ist? Klar doch. Denn uns allen sollte bewusst sein, dass es in der Natur nur ein Gesetz gibt: Werden und Vergehen. Auch diesen Aspekt hat Frau Labitzke in ihr musikalisches Rahmenprogramm eingebaut, als sie das Mozart-Lied „Das Veilchen“ sang. Dieses Veilchen sehnte sich danach, von einer angebeteten Maid, die täglich über die Wiese ging, gepflückt und an die Brust geheftet zu werden. Das arme Veilchen wird jedoch von dieser Maid niedergetreten, und sein Dasein erlischt in dem letzten Gedanken daran, dass es derjenigen, die es am meisten verehrt hat, nun zu Füßen liegt.

Kunstraum Bad Honnef
Rathausplatz
53604 Bad Honnef
info@kunstraum-badhonnef.de
Tel.: 0 22 24 7 32 34

Ausstellungen geöffnet:
Fr. 16 – 19 Uhr
Sa. 11 – 14 Uhr

Kontakt zu Elke Post visual art
elkiepost@gmail.com
Instagram @elke_post

Rolf Thienen

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